Produktkonfigurator im Onlinehandel

Der Wunsch nach größtmöglicher und eigenständiger Individualisierung eines Produktes durch den Kunden wächst, aufgrund der rasant zunehmenden Zahl an online gehandelten Produktsparten, stetig. Doch nicht in allen Fällen ist der Einsatz eines Produktkonfigurators notwendig. In diesem Beitrag möchte ich mich mit dem Grenzbereich, bei dem der Einsatz einer solchen Softwarelösung ratsam ist, auseinandersetzen.

Zunächst werde ich, aufgrund des unterschiedlichen Begriffgebrauchs, die Bedeutung der Produktkonfiguration im Onlinehandel für ein gemeinsames Verständnis in diesem Beitrag definieren. Darauf folgend erörtere ich ab welcher Schwelle man sich intensiver mit einer solchen Softwarelösung beschäftigen sollte und abschließend ab wann ein Produktkonfigurator dem Anbieter – einem Händler,  Hersteller oder Dienstleister – einen Mehrwert bietet.


Was ist ein Produktkonfigurator?

Ein Produktkonfigurator ermöglicht die freie Kombination vorgegebener Produktkomponenten und deren Attribute, durch vom Anbieter vorgegebenen  Regeln. Das Ergebnis der individuellen Produktkonfiguration stellt eine dynamische Stückliste dar, auf Basis derer das Produkt produziert oder kommissioniert werden kann.

Oft wird der Begriff des Produktkonfigurators im Zusammenhang mit Situationen genannt, die im Wesentlichen mit dem Grundgedanken einer solchen Softwarelösung nicht viel gemein haben. So bleibt die Möglichkeit des Benutzers ein großes Produktsortiment durch unterschiedliche Filter einzugrenzen nach wie vor nur die Filterung eines Datenbestands. Der Kerngedanke, dass das Endprodukt einer Produktkonfiguration eine einmalige, nur für diesen Vorgang existierende, Stückliste darstellt zeigt, dass der gegenteilige Wunsch, nämlich  der Rückführung einer Stückliste zu einer eindeutigen und bereits bestehenden Artikelnummer, nicht im Sinne eines Produktkonfigurators ist. Mit anderen Worten hält der Anbieter das zu konfigurierende Produkt in der vom Kunden gewünschten Konfiguration nicht im Lager bereit, sondern produziert oder kommissioniert dies auf Kundenwunsch.

Im folgenden Absatz zeige ich auf, dass die einfache Auswahl von Attributwerten oder Zubehörartikeln für ein Hauptprodukt und sogar die Eingabe einer individuellen Zusatzinformation des Benutzers keine Produktkonfiguration im Sinne dieses Beitrags darstellt. Ferner definieren wir einen Grenzbereich ab dem von einer individuellen Produktkonfiguration gesprochen werden kann.


Die Produkttypen-Pyramide

Der Weg zum Produktkonfigurator
Abb. 1

Bei einer Pyramide, bei der die größte Produktkomplexität in der Spitze einzuordnen wäre, stellt das Fundament ein einfaches bestandsgeführtes oder bestandsloses Produkt dar – Die Grundlage im Onlinehandel. (Abb. 1; Stufe 1)

Darauf aufbauend begann man, allen voran die Textilbranche, mit dem Einsatz beliebiger Produkt-Attribute. So werden Produkte, die in unterschiedlichen Varianten physikalisch im Lager geführt sind, zu einem Variantenhauptartikel zusammengefasst, dessen genaue Variante durch den Kunden in Form von auswählbaren Attributen bestimmt wird. (Abb. 1; Stufe 2)

Produktbeispiel mit Attributen, Zubehörartikeln und einer individuellen Eingabe.
Abb. 2

Im nächsten Schritt berühren wir bereits vorsichtig den Rand zum Produktkonfigurator. Dem Kunden wird die Möglichkeit geboten zu einem Produkt, das ggf. mit Attributwahlen genauer bestimmt wurde, weitere Zubehör-Produkte auszuwählen. Hierbei steht das Zubehör jedoch in keinem regulierten Abhängigkeitsverhältnis zum Hauptprodukt, das bedeutet, dass der Benutzer unabhängig von seinen gewählten Attributwerten alle, keine oder nur bestimmte Zubehörprodukte auswählen kann. Zudem kann ggf. eine durch den Benutzer hinterlegte Information mit dem Produkt verknüpft werden (Abb. 2). Obgleich der Kunde bereits den Ansatz einer Individualisierung vernimmt, handelt es sich bei diesem Beispiel um keinen Produktkonfigurator wie wir ihn im ersten Teil dieses Beitrags definiert haben. (Abb. 1; Stufe 3)

Erst mit der Vorgabe des Anbieters in welchem Umfang der Benutzer einzelne Produktkomponenten aus vorgegebenen Kategorien zu einer Konfiguration zusammenstellen darf (vgl.  “Regeln”) und einer aus der individuellen Produktkonfiguration resultierenden, für diesen Vorgang einmaligen, Stückliste wird eine Softwarelösung der oben genannten Definition eines Produktkonfigurators gerecht. Anders ausgedrückt überprüft ein Produktkonfigurator vollautomatisiert im Hintergrund in Echtzeit  ob die Konfiguration, die der Benutzer wünscht, in der Produktion oder Kommisionierung realsierbar ist.


Brauche ich für mein Produkt einen Produktkonfigurator?

Trotz der Unmöglichkeit diese Frage ohne weitere Informationen zu dem Produkt genau beantworten zu können möchte ich zwei wesentliche Merkmale aufzeigen, die bereits im Vorraus die grundlegende Ja-Nein-Frage beantworten können.

Merkmal 1: Summe aller Variationen

Angenommen Sie wären Schreiner von Beruf und würden auf individuellen Kundenwunsch Türen herstellen. Sie bieten Ihren Kunden Möglichkeiten der Individualisierung. Dabei hätten Ihre Kunden die Wahl aus  fünf unterschiedlichen Holzarten sowie 10 wählbaren Farben und vier verschiedenen Holzstärken.  Mathematisch ausgedrückt können wir aus der Kombinatorik entnehmen, dass Sie dem Kunden 5*10*4 = 200 mögliche Varianten des Produktes anbieten könnten. Zugegeben, bei diesem Wert wäre es möglich, obgleich nicht wirtschaftlich, alle Produktvarianten im Lager vorrätig zu halten und jede Variante mit einer Artikelnummer zu versehen. Ergänzen wir daher nun die Individualisierung des Produktes um die mögliche Auswahl von sieben unterschiedlichen Türgriffen sowie vier dazugehörige Materialien und der optionalen Wahl eines Sicherheitsschlosses, so ergeben sich daraus 5*10*4*7*4*2 = 11.200 (Elftausendzweihundert) mögliche Kombinationen.

Bei diesem einfachen Beispiel erkennt man, dass sehr schnell eine Pflege aller Variationen eines Produktes unmöglich wird. Dabei blieben freie Eingabewerte wie z.B. die Eingabe zweier Maßangaben, um die Proportionen der Tür zu bestimmen, in diesem Beispiel nicht berücksichtigt. Zusammenfassend sei also gesagt: Umso größer die Anzahl möglicher Produktvarianten, desto essentieller ist der Einsatz eines Produktkonfigurators.

Merkmal 2: Bestehende Beziehungen Untereinander

Stellen Sie sich vor Sie sitzen mit einem Interessenten, der Ihr Produkt kaufen möchte, am runden Tisch und haben vor auf einem Blatt Papier dessen Wünsche, bezogen auf das Produkt, zu notieren. Dazu weisen Sie auf alle Bestandteile und Eigenschaften des Produktes hin, welche individuell anpassbar sind und bitten Ihren zukünftigen Kunden im Anschluss daran frei heraus zu beschreiben wie er sich das Produkt wünscht. Beantworten Sie nun folgende Frage: Müssen Sie im Gesprächsverlauf oder im Anschluss daran Einlenken, da es vorgegebene Regeln oder Abhängigkeiten zwischen den Produktkomponenten gibt, die bei der individualisierung eingehalten werden müssen?

Wenn Sie diese Frage nicht mit Nein beantworten können und Sie Ihren Kunden alle Möglichkeiten der Individualisierung automatisiert über das Internet anbieten möchten, ist für Sie der Einsatz eines Produktkonfigurators erforderlich, denn die in Abschnitt 2 dieses Beitrags beschriebenen Produktattribute, Zubehörprodukte und Benutzereingaben (Abb. 1; Bis Stufe 3) bieten Ihnen keine Möglichkeit Beziehungen und Regeln für die Individualisierung zu bestimmen.


Welche zentralen Vorteile bringt mir ein Produktkonfigurator?

In den vorangegangenen Abschnitten dieses Beitrags haben Sie, liebe/r Leser/in,  weiterführende Informationen zu Produktkonfiguratoren und dessen Notwendigkeit kennengelernt. Von dieser Basis, nämlich der Situation, dass ab einem bestimmten Individualisierungsgrad ein Produktkonfigurator unabdingbar ist, lassen sich viele Vorteile ableiten. Ich möchte mich in diesem Beitrag auf zwei zentrale Vorteile beschränken.

  • Der Produktkonfigurator spart Ihnen Zeit! Er übernimmt für Sie die Position des Vermittlers zwischen Ihren Kunden und Ihrem Produkt, sodass individuelle Bestellungen im persönlichen Gespräch nicht mehr nötig sind. Zudem kann das Ergebnis der Produktkonfiguration, nämlich die individuelle Stückliste, direkt an die Produktion oder das Lager zur Kommisionierung übergeben werden, da die Prüfung auf eine korrekte Zusammenstellung bereits im Produktkonfigurator selbst stattgefunden hat.
  • Abgrenzung zu den Mitbewerbern und positives Gefühl bei Ihren Kunden. Ihre Kunden werden sich mit Ihrem Produkt intensiver beschäftigen, denn Dynamik, Bewegung und Veränderung suggerieren Einfluss auf “sein” Produkt. Er sieht sich als Teil des Entstehungsprozesses – auf Augenhöhe mit ihrem Unternehmen.

In diesem Beitrag haben Sie nun einen kleinen Einblick in die Notwendigkeit und den Mehrwert eines Produktkonfigurators erlangt. Sollten Sie sich mit Ihrem Produkt an manchen Stellen wiedererkannt haben so zögern Sie nicht und nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf, sodass ich auch Ihnen eine passende Lösung anbieten kann. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und bleiben Sie neugierig!