Gutscheine, Rabattcodes und die Steuern

Dieser Beitrag verschafft Ihnen als Anbieter einen Überblick über die steuerlichen Regeln und rechtlichen Vorschriften für den Verkauf von Gutscheinen und die Herausgabe von Rabattcodes innerhalb der Bundesrepublik Deutschland mit dem Hauptaugenmerk auf den Onlinehandel.

Zuallererst möchte ich die in diesem Beitrag behandelten Rabattcodes und Gutscheine klar von den in den letzten Jahren weit verbreiteten Guerilla-Coupon-Plattformen im Internet und deren Angebot abgrenzen. Da dieses Thema bereits umfangreich behandelt wurde beschränke ich mich auf den Rat zur kritischen Sichtweise auf entsprechende Angebote, denn durch sensible Vertragsklauseln schränken Anbieter solcher Portale Ihre Rechte zur Herausgabe von Gutscheinen und Rabattcodes ein und bringen Sie in eine meist ungewünschte Abhängigkeit.

Ich beziehe mich in diesem Beitrag daher nur auf den Verkauf von Gutscheinen und die Herausgabe von Rabattcodes direkt vom Anbieter ohne den Weg über Plattformen Dritter, unabhängig davon ob die Gutscheine oder Rabattcodes über das Internet, Printmedien oder direkt im Ladengeschäft herausgegeben werden.


Die zwei Typen von Gutscheinen

Einleitend in die steuerliche Behandlung von Gutscheinen möchte ich einen zentralen Vorteil benennen der gleichzeitig die wichtigste Unterscheidung der Gutscheinbesteuerung darstellt. Der Aussage werden Sie entnehmen können, dass der Zeitpunkt der steuerlichen Wirksamkeit eines Gutscheines nicht in allen Fällen derselbe ist:

Sie können sich über zukünftigen oder direkten Umsatz freuen.“

Die Unterscheidung erfolgt dabei über die Art der Verwendung des Gutscheins.

  1. Bezieht sich der Gutschein auf ein Produkt (1), so ist der Umsatzsteuersatz beim Verkauf des Gutscheins bekannt. In diesem Fall ist die im Gutscheinbetrag enthaltene Umsatzsteuer bereits mit dem Verkauf des Gutscheins an das Finanzamt abzuführen. Beispiel: „Gutschein für den Kauf eines Fahrrads“. Der Gutscheinwert entspricht im B2C-Geschäft einem Bruttopreis was für Sie bedeutet, dass Sie beim Einlösen des Gutscheins den entsprechenden Gutscheinbetrag vom Gesamtbetrag abziehen und damit den Endbetrag einschließlich der Umsatzsteuer korrigieren.
  1. Ist der Gutschein unbestimmt und über ihr gesamtes Produktsortiment gültig (2), so handelt es sich lediglich um den Tausch des Zahlungsmittels, denn Sie tauschen Ihrem Kunden „Buch- oder Bargeld“ gegen „Gutschein-Geld“. Dabei ist für Sie beim Verkauf des Gutscheins keine Umsatzsteuerschuld gegenüber dem Finanzamt entstanden da der endgültige Umsatzsteuer-Anteil noch nicht bekannt ist. Zu diesem Zeitpunkt stellt der Verkauf des Gutscheins bei Ihnen keinen Umsatz dar. Erst beim Einlösen des Gutscheins durch den Kunden wird der Betrag umsatzsteuerlich wirksam. Der Gesamtbetrag und der darin enthaltene Umsatzsteuer-Betrag werden bei der Preisberechnung nicht verändert. Bei der Bezahlung des Gesamtbetrags durch den Kunden wird lediglich ein Teilbetrag durch das Zahlungsmittel „Gutschein“ beglichen und der Restwert über Bar- oder Buchgeld.

Zusammengefasst:

In beiden oben genannten Fällen wäre beim Kauf eines selben Produktes der an das Finanzamt abzuführende Umsatzsteuer-Betrag derselbe. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass beim ersten Fall (1) die Umsatzsteuerschuld des Gutscheinbetrags bereits beim Verkauf des Gutscheins entsteht. Im zweiten Fall (2) entsteht die gesamte Umsatzsteuerschuld erst beim Kauf des Produktes selbst. Mit diesem Wissen lässt sich nun der zuvor zitierte Vorteil leicht verstehen, denn Fall eins folgert „direkter Umsatz“ und Fall zwei „zukünftiger Umsatz“.

Gutscheine in BestellungIm diesem Beispiel möchte ich Ihnen bildlich den Einsatz der beiden zuvor genannten Fälle, durch den Kauf eines Produktes im Wert von 300 € brutto, erläutern. Zunächst wurde ein Gutschein i.H.v. 50 € brutto eingelöst, dessen Umsatzsteuer bereits im Voraus einbehalten wurde, da der Gutschein speziell für dieses Produkt galt (1). Zusätzlich wurde ein weiterer Gutschein über 50 € brutto eingelöst, dessen enthaltene Umsatzsteuer noch nicht einbehalten wurde, da der Gutschein über das gesamte Produktsortiment galt(2)

Der ursprüngliche Gesamtbetrag von 300 € beinhaltete 47,90 € zu 19% USt. Beim Verkauf des Gutscheins(1) haben wir bereits 7,98 € zu 19% USt. einbehalten, sodass der dargestellte USt.-Betrag mit 39,92 € ausgewiesen wurde. Da beim Ausstellen vom zweiten Gutschein(2) keine USt. einbehalten wurde sind die beim Einlösen des Gutscheins enthaltenen 7,98 € USt. in den 39,92 € einbezogen, sodass das Finanzamt den Ursprungsbetrag von 47,90 € vollständig erhalten wird. Der verbleibende Endbetrag, der hierbei durch Buch- oder Bargeld zu begleichen ist, beträgt 200 €.


Verfallszeiträume von Gutscheinen.

Als Anbieter von Gutscheinen steht es Ihnen nicht frei deren zeitliche Gültigkeit nach eigenem Ermessen einzuschränken. Orientieren Sie sich zunächst an der Verjährungsfrist zivilrechtlicher Ansprüche – diese beträgt im Allgemeinen drei Jahre ab dem Ende des Jahres in dem der Gutschein ausgestellt wurde.

In einigen Fällen kann die Lebensdauer von Gutscheinen kürzer sein wenn der Grund dafür rechtlich gerechtfertigt ist. So wäre dies der Fall wenn ein Gutschein für eine Leistung oder ein Produkt ausgestellt wird dessen Kosten im Folgejahr deutlich ansteigen könnten. Die minimale Befristungsdauer von einem Jahr darf hierbei jedoch nicht unterschritten werden.

Trotz dieser Sonderregel kann Ihr Kunde nach Ablauf der Befristung bis zum Eintritt der Verjährung den Gutscheinbetrag nach Abzug einer Gewinn-Entschädigung zurückfordern. Die im Fall 2 dieses Beitrages erwähnten Gutscheine, die einen Geldmittel-Tausch darstellen, sind von dieser verkürzten Befristung ausgeschlossen.


Gutscheine und Warenkörbe mit zwei Steuersätzen

Eine weitere in manchen Branchen oft existierende Situation ist der Verkauf eines Produktbundles welches aus zwei unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen besteht. Ein Beispiel hierbei wäre ein Präsentkorb bestehende aus einer Teekanne zu 19% Ust. sowie Tee zu 7% Ust. zu einem Pauschalpreis von 20 €. Das Finanzamt bietet Ihnen hierbei in aller Regel zwei Möglichkeiten zur Ausweisung des Steuerbetrages. Entweder Sie verteilen den Steueranteil prozentual nach dem Verhältnis der zu versteuernden Produkte ausgehend von dessen Warenwert oder Sie versteuern den Gesamtbetrag mit dem im Bundle prozentual überwiegenden Steuersatz. Besprechen Sie Ihre Entscheidung bitte im Detail mit Ihrer Finanzagentur.

Um den Bezug zum Kernthema dieses Beitrags – dem Gutschein – herzustellen möchte ich auf folgendes aufmerksam machen: Bereits beim Verkauf eines Gutscheins, der speziell für das Produktbundle ausgestellt wird(1), müssen Sie daran denken die Umsatzsteuer gemäß Ihrer gewählten Besteuerungsregel auszuweisen.


Oh wie schön ist ein Rabattcode

Hingegen Gutscheine – ob früher oder später – einen Erlös darstellen, so sind Rabattcodes eine reine Kaufpreisminderung ohne Gegenwert, sodass Sie für diesen Minderungsbetrag keine Umsatzsteuer abführen müssen. Rabattcodes führen allein zum Resultat, dass der Kaufpreis eines Produktes gemindert wird. Sie unterliegen zudem keiner Vorschrift im Hinblick auf eine zeitliche Gültigkeit solange Sie den Verbraucher nicht offensichtlich täuschen wollen.


Bleiben Sie Neugierig!

Dieser Beitrag verschaffte Ihnen einen Überblick über die derzeitigen steuerlichen und rechtlichen Regeln für den Verkauf von Gutscheinen in Deutschland. Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar und ersetzt diese auch nicht. Die zur Verfügung gestellten Informationen dienen lediglich als Orientierungshilfen. Besprechen Sie Ihr individuelles Vorgehen mit Ihrem Steuerberater und Ihrer zuständigen Finanzagentur.

Lassen Sie sich von den Vorgaben beim Gutschein-Verkauf nicht entmutigen und setzen Sie ein solches wichtiges Instrument beispielsweise ein um gezielt zeitlich Produkte oder Warengruppen abzuverkaufen, Ihre Kunden an Ihr Unternehmen zu binden und höhere Warenkörbe zu erzielen.

Vielen Dank für das Interesse an diesem Thema und dem damit verbundenen Interesse an Themen rund um den Onlinehandel. Bei Fragen und Anregungen freue ich mich auf Ihre Nachricht an blog@inconfig.com